Interview zum Internationalen UN-Tag der Bildung am 24. Januar

Prof. Dr. Brigitte Petersen
Die Agraringenieurin Brigitte Petersen ist Mitglied in der 2024 vom Stifterverband der Deutschen Wissenschaft eingerichteten Future Skills Allianz und seit 2015 Vorstandsvorsitzende der Europäischen Education and Qualification Alliance.
Ein Gespräch über ihren Blick auf Innovationen und neue Kollaborationen, die Rolle von europäischen Netzwerken für die Beschleunigung der „Doppelten Transformation“ von regionalen und grenzübergreifenden Wertschöpfungspartnerschaften – und darüber, wo die Agrarwirtschaft trotz zunehmender geopolitischer Herausforderungen gut aufgestellt ist.
EQA: Frau Petersen, Sie beschäftigen sich als Netzwerkerin seit Jahren mit grenzübergreifenden Forschungs- und Bildungsinitiativen. Kann es sein, dass Ihr Herz deshalb seit Jahren für die Wirtschafts- und Wissenschaftsregion sowie den wachsenden UN-Standort Bonn schlägt?
Brigitte Petersen: Ich kenne keinen anderen Standort in Deutschland, an dem der Satz „regional vernetzen und global wirken“ in der Zivilbevölkerung, den hiesigen Vereinen, den Hochschulen und Institutionen so eindrucksvoll gelebt wird wie hier in Bonn. Es ist deshalb kein Zufall, dass die Europäische Genossenschaft Education and Qualifikation Alliance EQAsce ihre Hauptgeschäftsstelle hier eingerichtet hat. In der UN-Stadt Bonn fällt es uns nicht schwer, genügend Mitstreiter, kluge Köpfe und anpackende Hände zu finden, die mit uns die gleiche Vision verfolgen: Durch hochwertige Bildung (SDG4) und lebenslanges Lernen schaffen wir es, gleichzeitig die nachhaltige und digitale Transformation in der gesamten Gesellschaft zu beschleunigen, siehe: >> Trendsetter und Pioniere für die doppelte Transformation – EQASCE !
Gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten aus ganz Europa engagieren wir uns 2026 deshalb ganz besonders für vier von der UN ausgerufene, internationale Aktionstage und drei Internationale Jahre:

- im Januar (24. und 27.) für die Internationalen Tage der Bildung und Umweltbildung

- im September (20.) gleichzeitig für den World CleanUP Day und den Weltkindertag
- im Oktober (13.) für den Internationalen Tag der Katastrophenvorsorge

- im Dezember (5.) für den Internationalen Tag des Bodens
Eingebettet sind diese UN-Tage 2026 in drei für die Agrarwirtschaft äußerst wichtige Themen der Internationalen Jahre der Vereinten Nationen:

- das Internationale Jahr der Freiwilligen

- das Internationale Jahr der Landwirtin

- das Internationale Jahr der Weiden und Hirten
Also heute schon ein voller Terminkalender. Dies gilt besonders für uns alle, die wie wir hier vor Ort in den nächsten Monaten bei unterschiedlichen Aktionen zum Jubiläum 30 Jahre UN-Stadt und UNESCO Learning City Bonn Aktionen vorbereiten.
EQA: Welche Schnittmenge sehen Sie in diesem Jahr zwischen der durch den Stifterverband der Deutschen Wissenschaft etablierten Future Skills Allianz und der Bildungsstrategie der Mitglieder von EQAsce?
Brigitte Petersen: Ganz offensichtlich haben wir große Schnittmengen was unsere Verantwortung für Bildung und Kompetenzen, sowie Kollaboration in Forschung und Austausch von Wissen über Innovationen angeht. Denn, da sind wir uns einig, für die große Aufgabe unserer Zeit – die „Doppelte Transformation“ – brauchen wir gut ausgebildete Menschen für die Arbeitswelt von morgen.
In der Form, wie der Stifterverband und wir arbeiten, unterscheiden wir uns kaum. Beide schauen wir voraus, sind jeweils für unsere Zielgruppen Impulsgeber und Initiatoren.

Durch Modellprojekte ermöglichen wir Veränderungen. Und schließlich sind wir beide Brückenbauer zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.
Doch unterscheiden wir uns sehr deutlich bezogen auf die Ziele und die Zielgruppen, die wir im Blick haben. Während sich in der Initiative des Stifterverbands Zukunftsmission Bildung Stiftungen, Hochschulen und Wirtschaftspartner branchenübergreifend zusammengeschlossen haben, liegt der Fokus bei EQA auf der Agrar-, Forst- und Ernährungswirtschaft.
Die Future Skills Allianz verfolgt das Ziel, ein Bildungssystem für eine Welt im Wandel zu gestalten. Es geht darum, in Deutschland mehr Menschen mit den notwendigen Kompetenzen aus- und weiterzubilden. Dazu bringt der Stifterverband relevante Akteure in der Gemeinschaftsinitiative zusammen und koordiniert die Aktivitäten. Ein wichtiger Schritt der Zukunftsmission Bildung ist dabei eine schnelle Aufnahme von fachübergreifenden Future Skills in die Curricula der deutschen Hochschulen. Dadurch entstehen Denkräume, Fördermöglichkeiten und weniger Konkurrenzdenken zwischen den Fachdisziplinen. So soll das Hochschul- und Weiterbildungssystem flächendeckend Future Skills vermitteln können, um Absolventinnen und Absolventen auf ihre Aufgaben auf dem Arbeitsmarkt vorzubereiten.
Seit der Gründung der Europäischen Genossenschaft Education and Qualification Alliance denken wir grenzübergreifend und haben Tätige in regionalen Wertschöpfungspartnerschaften und grenzübergreifenden Wertschöpfungsketten europaweit im Blick. In unseren zukunftsgerichteten Analysen des Arbeitsmarkts haben wir erkannt, dass neue Aufgaben auf land- und forstwirtschaftliche Einzelbetriebe und überbetriebliche Wertschöpfungsketten in den Handlungsfeldern Daseinsvorsorge, Krisenmanagement, Ernährungssicherung und Erreichen von Klimazielen zukommen. Neue Technologien und die Digitalisierung schaffen zusätzliche Chancen für Start-Ups und neue Geschäftsideen.
EQA hat deshalb mit seinen beiden Gremien für die studienbegleitende und berufsbegleitende Weiterbildung ein >> Impulspapier herausgegeben. Darin werden sieben neue Aufgabenfelder definiert, und gezeigt, wie der Kompetenzaufbau für diese Aufgaben über ein digitalisiertes lebenslanges Lernen Konzept unterstützt werden kann.
EQA: Sehen Sie bei den unterschiedlichen Ansätzen und Zielen zwischen Future Skills Allianz und Education and Qualification Alliance Synergien durch Ihre Arbeit in beiden Netzwerken?
Brigitte Petersen: Die Synergien sehe ich in der gemeinsamen Weiterentwicklung des Frameworks der Future Skills Allianz. Dieses Framework besteht aus 30 Zukunftskompetenzen in fünf Kategorien:
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- Grundlegende Zukunftskompetenzen
- Transformative Zukunftskompetenzen
- Gemeinschaftsorientierte Zukunftskompetenzen
- Digitale Zukunftskompetenzen
- Technologische Zukunftskompetenzen
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Insbesondere bezogen auf die letzten beiden handelt es sich um Zukunftskompetenzen und Schlüsseltechnologien, die – völlig unabhängig von der Branche – für die wirtschaftliche Entwicklung, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit von zentraler Bedeutung sind. Sie ermöglichen die Entwicklung, Steuerung und verantwortungsvolle Nutzung komplexer Technologiesysteme, wie sie derzeit überall entstehen. Auch die aktive Gestaltung technologischer Innovationen braucht digitale und technische Zukunftskompetenzen, von Data Science über autonome Systeme bis hin zu KI-Entwicklungen und Cybersicherheit.
Die digitalen Zukunftskompetenzen beziehen sich insbesondere auch auf den souveränen und kritischen Umgang mit digitalen Technologien, Informationen und Daten. Sie befähigen dazu, digitale Medien souverän zu nutzen, Informationen und Daten sicher zu bewerten und künstliche Intelligenz kompetent und ethisch um- und einzusetzen. Auch hier setzt das Konzept zum lebenslangen Lernen von EQA an. Unsere Stärke ist, den Prozess des lebenslangen Lernens selbst mit digitalen Lösungen zu unterstützen. Das Q-Guide-Q-CERT-Wallet-System von EQA ist eine wesentliche Voraussetzung, um bildungsanbieterübergreifend digitale Microcredentials und Microdegrees weltweit im Karriereweg zu sammeln und nachzuweisen.
Deshalb engagiert sich EQAsce mit dem Baustein >> Digitale Bildungsstrategie und in Kooperation mit führenden Branchenplayern wie LAND-DATA GmbH bei der Etablierung von grenzübergreifenden Agrardatenräumen.






