Interviewreihe: Starke Frauen in der Agrar-, Forst- und Ernährungswirtschaft – Kathrin Schumilin
Flankierend zum Positionspapier der >>Verbändeallianz zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026 stellt die Europäische Genossenschaft Education and Qualification Alliance SCE Frauen in der Landwirtschaft vor, die wertvolle Beiträge zur doppelten Transformation leisten. In einer Reihe von monatlichen Interviews stellen wir diese Frauen mit ihren Ideen, Innovationen und Netzwerken vor. Für den Monat Februar hat EQA ein Interview mit Frau Kathrin Schumilin geführt.

Kathrin Schumilin, Mangolade
Kathrin Schumilin ist Absolventin der Exzellenz Universität Bonn und Gründerin von Mangolade, einem Startup zur technologischen Verwertung von Mangokernen aus der industriellen Mangoverarbeitung. Ihre naturwissenschaftlich-technischen Kompetenzen aus dem Studium liegen in den Bereichen Lebensmittel-Chemie, -Technologie, -Mikrobiologie, sowie der Technofunktionalität von Inhaltsstoffen. Ergänzend vertiefte sie ihr Profil durch gezielt ausgewählte Wahlpflichtmodule in den Bereichen Lebensmittelsicherheit, Qualitätsmanagement in der Agrar- und Ernährungswirtschaft, Gesundheits- und Krisenmanagement. Parallel zum Studium erwarb sie die Zusatzqualifikationen EOQ Quality Representative sowie EQA-Manager Junior mit den Schwerpunkten Risk & Crisis und Food Safety & Health. Sie ist die erste Studierende der Universität Bonn, die diese kombinierte Qualifikation als digitalen Bildungsnachweis erhalten hat. Aufbauend auf diesem fachlichen Profil gründete Kathrin Schumilin das Startup Unternehmen >> Mangolade. Mangolade wurde durch führende europäische Innovationsprogramme gefördert, darunter EIT Food Seedbed, EXIST Women, MassChallenge Switzerland, Waste2Plate, das Santander Stipendium sowie der Digital Hub Bonn Female Founders Venture Summit.
EQA: Sie haben sich bereits während Ihres Studiums an der Fakultät für Agrar-, Ernährungs-, und Ingenieurwissenschaften an der Exzellenz Universität Bonn durch zahlreiche Zusatzangebote ein besonderes Profil gegeben. Was waren Ihre Hauptgründe, diesen Weg der Nutzung studienbegleitender Zusatzausbildungen einzuschlagen?
Kathrin Schumilin: Mir war bewusst, dass formale Zertifizierungen wie die EQA- und EOQ-Qualifikationen zusätzlichen zeitlichen und inhaltlichen Aufwand bedeuten und nicht zum klassischen Studienweg gehören. Gerade darin habe ich jedoch ihren Mehrwert gesehen. Sie ermöglichen einen unabhängigen, externen Kompetenznachweis in Bereichen wie Qualitätsmanagement, Auditierung, Prozessdokumentation und Normenanwendung, Themen, die in der industriellen Praxis eine zentrale Rolle spielen, im Studium jedoch häufig nur theoretisch behandelt werden. Die Zusatzausbildungen halfen mir, mein theoretisches Wissen in einen praxisnahen Kontext einzuordnen und ein Verständnis für die Umsetzung und Steuerung von Qualitätsanforderungen im betrieblichen Alltag zu entwickeln. Dieses Wissen konnte ich im Rahmen meines außeruniversitären Praktikums sowie meiner Abschlussarbeit bei Ferrero direkt im industriellen Umfeld anwenden.

EQA: Die komplexen Handlungsfelder im Zusammenhang mit der nachhaltigen und der digitalen Transformation internationaler Wertschöpfungsketten für Lebensmittel und für Produkte, die ihren Ursprung in der Agrarwirtschaft haben, hat Sie besonders interessiert. Warum ist es in Ihren Augen so wichtig, innerhalb der EU die Geschwindigkeit für kooperative Forschung, kooperative Bildung sowie internationalen Wissenstransfer zu erhöhen?
Kathrin Schumilin: Die nachhaltige und digitale Transformation internationaler Wertschöpfungsketten in der Agrar- und Ernährungswirtschaft stellt eine hochkomplexe Aufgabe dar, die weder einzelne Akteure noch einzelne Staaten isoliert bewältigen können. Herausforderungen der Lebensmittelsicherheit, Ressourceneffizienz, Klimarisiken und Digitalisierung erfordern abgestimmte Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Gerade hier liegt eine besondere Stärke der Europäischen Union, weil sie viele unterschiedliche Stärken gleichzeitig in Forschung, Industrie und Regulierung vereint. Sie verfügt über viele Bausteine, und genau diese Vielfalt ist ein Vorteil, wenn es darum geht, komplexe Probleme zu lösen. Damit dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann, braucht es jedoch eine schnellere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene.
Forschungsergebnisse sollten schneller in der Praxis erprobt werden, während Erfahrungen aus Unternehmen und Projekten kontinuierlich in Forschung und Lehre zurückfließen sollten. Gerade in stark regulierten Bereichen wie der Lebensmittelwirtschaft entscheidet dieser Austausch darüber, ob neue Lösungen technisch, rechtlich und gesellschaftlich umgesetzt werden können.
EQA: Der UN-Standort Bonn feiert in diesem Jahr sein 30 jähriges Jubiläum. Gleichzeitig sind die drei UN-Jahre 2026 (International Volunteer Year 2026, International Year of the Woman Farmer 2026, International Year of Rangelands and Pastoralists 2026) gestartet worden, zu denen in Bonn das Jahr über besondere Aktionen geplant werden, die auch mit dem World Cleanup Day und dem Weltkindertag am 20. September durch ein mediales Großereignis mit einen Spider-Innovation-Space auf der Hofgarten-Wiese der Universität Bonn begleitet werden. Könnten Sie sich vorstellen im Zelt SDG 4 oder im Zelt Recycling mit zu den Akteuren zu gehören?
Kathrin Schumilin: Ja, insbesondere im Bereich Upcycling und Kreislaufwirtschaft kann ich mir eine Beteiligung sehr gut vorstellen. Dieser Schwerpunkt entspricht meiner praktischen Arbeit an der Verwertung von Nebenströmen in der Lebensmittelwirtschaft. Gerade beim Thema Lebensmittelverluste zeigt sich, dass der größte Ressourcenverlust häufig nicht am Ende der Kette entsteht, sondern bereits in der Verarbeitung. Nebenströme wie Mangokerne gelten traditionell als Abfall, obwohl sie wertvolle Inhaltsstoffe enthalten und bereits angebaute Ressourcen wie Fläche, Wasser und Energie in sich tragen. Kreislaufwirtschaft bedeutet für mich daher nicht nur Recycling im klassischen Sinne, sondern das bewusste Zurückführen solcher „unsichtbaren“ Rohstoffe in funktionierende Wertschöpfungsketten. Formate wie der Spider-Innovation-Space bieten aus meiner Sicht eine sehr gute Gelegenheit, diese Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln, sowohl technisch fundiert als auch verständlich für unterschiedliche Zielgruppen. Eine Beteiligung im Rahmen der UN-Jahre in Bonn sehe ich deshalb als große Möglichkeit, Bildungsarbeit, Forschung und konkrete Lösungsansätze zur Ressourcenschonung sichtbar zu machen. Gerne bringe ich meine Expertise zu Nebenstromverwertung, Ressourceneffizienz und der praktischen Umsetzung zirkulärer Konzepte ein und würde mich über einen weiteren Austausch zur konkreten Ausgestaltung freuen.







