In den letzten Wochen beteiligte ich mich als Sprecherin der Initiative Modellregion >> WiR an vielen Diskussionen, wie zivile Sicherheit und Resilienz erreicht und Krisenbewältigung beschleunigt werden kann. Dabei wurde deutlich, dass wir uns in einer doppelten VUCA-Welt befinden. Die eine VUCA-Welt beschreibt das moderne, herausfordernde Geschäftsfeld, geprägt von:
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- V = Volatalitiy (Volatilität/Unbeständigkeit): Märkte und Rahmenbedingungen verändern sich schnell und unvorhersehbar. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft, das Zusammenleben und soziale Gefüge lassen sich nicht mehr langfristig planen.
- U = Uncertainty (Unsicherheit): Die fehlende Planungssicherheit für die Zukunft macht ängstlich und unsicher, weil bestehende Kontakte wenig helfen, da viele Situationen bislang noch nicht dagewesen sind.
- C = Complexity (Komplexität): Es ist schwer, zu durchschauen, welche Faktoren zu Krisen geführt haben oder führen werden und wie sie in Technik, Wirtschaft, Politik und Kommunen vernetzt sind.
- A = Ambiguity (Mehrdeutigkeit/Ambiguität): Viele Informationen sind schwer zu interpretieren, weil sie unklar, widersprüchlich oder Fake-News sind.
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Deshalb ist es beruhigend, dass es auch eine weitere Bedeutung von VUCA-Welt gibt, die auf Agilität und Resilienz setzt. Die Bedeutung der Gegenstrategie buchstabiert VUCA wie folgt:
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- V = Vision mit klaren Zielen und einer von der Zivilgesellschaft breit getragenen Wertewelt
- U = Understanding und Annahme der Tatsache, dass die Welt komplexer geworden ist und für das Verständnis der Zusammenhänge neue Bildungsstrategien erforderlich sind
- C = Clarity, das bedeutet Klarheit zu schaffen, Abläufe und Prozesse transparent und verständlich für alle Beteiligten zu gestalten
- A = Agility gefragt ist Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit an außergewöhnliche Situationen in denen man sich auf starke Netzwerke und neue Koordinationsgefüge verlassen kann
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Seit der >> Flutkatastrophe im Herzen Europas vor fast fünf Jahren engagiert sich die Europäische Genossenschaft EQA dafür, beide VUCA-Welten zusammenzubringen und neue Koordinationsgefüge grenzübergreifend aufzubauen.

Bereits wenige Tage nach der Flut im Juli 2021 richtete EQA in ihren Räumen ein Lagezentrum und eine Hotline ein, um betroffenen Betrieben der Land- und Forstwirtschaft sowie Winzerbetrieben schnelle Hilfe zu vermitteln. EQA fand sehr schnell Expertinnen und Experten, die sich bereits im August zur Fach-Task-Force Wiederherstellung landwirtschaftlicher Bodenwerte zusammenschlossen. Diese Fach-Task-Force ist nach wie vor aktiv, denn in den Folgejahren waren andere Regionen in Europa von ähnlich schweren Starkregenereignissen und Überflutungen betroffen.
Im gleichen Jahr koordinierte EQA gemeinsam mit der Excellenzuniversität Bonn eine >> Ringvorlesung zum Thema „Spontan Helfer nach der Flutkatastrophe – Impulse zur Neuausrichtung einer europäischen Resilienz Strategie“.
Im April 2022 gelang es EQA als neutraler und unabhängiger Organisation mit Unterstützung des Europapunkts in Bonn die Verantwortlichen für den Wiederaufbau und die Krisenprävention in den beiden Bundesländern NRW und RLP bei der Gründungsveranstaltung der Initiative Modellregion Wiederaufbau und Resilienz (WiR) zusammenzubringen.
Im gleichen Jahr moderierten die Mitglieder von EQA mit Beteiligten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung den Runden Tisch „Grenzübergreifende Public-Private-Partnership Strukturen im Krisenmanagement“. Auf Initiative der beiden Netzwerke EQAsce und GIQS e.V. trafen sich bis zum Sommer 2024 erstmals Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen laufenden F&E-Projekten und grenzübergreifenden Netzwerken zu fünf hybriden „Runden Tischen“:
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- Runder Tisch: PPP-Krisenmanagement Strukturen
- Runder Tisch: Synergien und regionale Entwicklung
- Runder Tisch: Kommunikationskanäle im Krisenmanagement
- Runder Tisch: One Health
- Runder Tisch: Clusters meet regions
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Der Kreis der über 200 Teilnehmenden hatte sich dabei zum Ziel gesetzt, Synergien untereinander zu identifizieren und diese als Grundlage für eine engere zukünftige Zusammenarbeit auszubauen. Hierbei ging es ihnen insbesondere darum, gemeinsam eine integrierte Förderung zwischen den Programmen Horizont Europa und den Europäischen Strukturfonds zu nutzen. Für das Etablieren neuer grenzübergreifender Public-Private-Partnership-Strukturen im Krisenmanagement sind beide Programme zentral. Mit einer integrierten Förderungs- und Finanzierungsstrategie – so der Tenor der Teilnehmenden – lassen sich sehr viel effizienter als bislang möglich weitere vielversprechende Innovationen in diesem wichtigen Handlungsfeld schaffen.
Im Dezember 2024 wurde die Intergroup on Resilience, Disaster Management and Civil Protection des Europaparlaments eingerichtet. Diese dient der Koordination der europaweiten Zusammenarbeit im Katastrophen- und Krisenmanagement. Über den Kontakt zwischen dem zweiten Vorsitzenden des EU-Gremiums, Pascal Arimont, und Klaus Jansen, vom Team Gedenken wurde im Oktober 2025 die Ausstellung „Flut 21 – eine Katastrophe im Herzen von Europa (RLP, NRW und Ostbelgien)“ im EU-Parlament in Brüssel gezeigt. Diese Ausstellung ist Impulsgeber für die Schaffung neuer Koordinationsgefüge aus Kommunen und Regionen heraus geworden. Eine wichtige Entscheidung, die von den Initiatoren getroffen wurde, ist, eine Wanderausstellung zu organisieren und zu koordinieren, bei der zwei Aspekte eine Rolle spielen:
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- EU-weites Gedenken der Opfer und Betroffenen von Naturkatastrophen in Europa
- Sichtbarmachen digitaler und organisatorischer Innovationen für mehr Resilienz und zivile Sicherheit in Europa
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Der Europatag am 9. Mai wird zum Anlass genommen, in der Stadt Eupen gemeinsam zu demonstrieren, wie neue Koordinationsgefüge genutzt werden können, um Resilienz, zivile Sicherheit und ehrenamtliche Helfernetzwerke zu stärken.
Autorin: Brigitte Petersen, Vorstandsvorsitzende EQAsce und Sprecherin der Initiative Modellregion Wiederaufbau und Resilienz (WiR)







