Interviewreihe: Starke Frauen in der Agrar-, Forst- und Ernährungswirtschaft – Juliane O‘Hagan
Flankierend zum Positionspapier der >>Verbändeallianz zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026 stellt die Europäische Genossenschaft Education and Qualification Alliance SCE Frauen in der Landwirtschaft vor, die wertvolle Beiträge zur doppelten Transformation leisten. In einer Reihe von monatlichen Interviews stellen wir diese Frauen mit ihren Ideen, Innovationen und Netzwerken vor. Für den Monat April hat EQA ein Interview mit Dr. Juliane O‘Hagan geführt.

Dr. Juliane O‘Hagan
Dr. Juliane O‘Hagan ist studierte Ernährungswissenschaftlerin und Absolventin der Universität Bonn. Bereits als Studentin wählte sie Fächerkombinationen und erbrachte ergänzende Leistungen, mit denen sie aus ihrer studienbegleitende Zusatzausbildung die Kompetenz der Qualitätsmanagerin Junior nachweisen konnte. Auch während ihrer Promotion standen innovative Qualitätsmanagement Methoden und Modelle im Vordergrund. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stand das AMOR- Modell. AMOR bedeutet Allianzen für die mutuale Organisation und risikoorientierte Gestaltung von Prüfungen und Informationsaustausch zu vereinbarten Gemeinschaftsleistungen in Wertschöpfungsketten der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Heute gilt das AMOR-Modell von Juliane O’Hagan als Blaupause für Drei-Parteien-Verträge zwischen landwirtschaftlicher Erzeugerstufe, Lebensmittelverarbeitung und Lebensmittelhandel in Wertschöpfungsketten für Fleisch oder Obst und Gemüse. Sie lebte und arbeitete einige Jahre in Südafrika, wo konnte sie Erfahrung bei internationalen Dienstleistern sammelte, die Unternehmen beim Aufbau von QM-Systemen unterstützen. Zurück in Deutschland übernahm Juliane OHagan die Vorbereitung und Koordination des EIP.Agri.Projekts GeTie Gemeinschaftsleistung Tierwohl in einer Operationellen Gruppe, zu der auch ihr neuer Arbeitgeber gehörte.
In dieser Zeit wurde Sie Mitglied der Europäischen Genossenschaft EQA und engagierte sich ehrenamtlich im Vorstand.
Bis heute wirkt sie in den EQA-Beratungs- Gremien für berufs- und studienbegleitende Weiterbildung und bringt hier die Erfahrungen ihres eigenen Karriereweges mit ein.
EQA: Wie haben sich die Aus- und Weiterbildungskonzepte in den letzten Jahren im Dienstleistungsbereich entwickelt?
Juliane O’Hagan: Es ist alles viel digitaler geworden, was es auch viel leichter macht sich stetig fortzubilden. Die Inhalte können örtlich und zeitlich völlig flexibel erlernt werden. Zum Teil wird das Wissen dann auch nach jedem Kapitel abgefragt, was das Lernen sofort vertieft und man zugleich direkt eine Erfolgsmeldung hat. Videos können in der Geschwindigkeit angeschaut werden, die man benötigt, sie können pausiert oder auch Stellen wiederholt werden. Dadurch sind die Konzepte viel individueller und hängen auch nicht so stark von der Lehrperson ab. Das Digitale macht es insgesamt viel leichter sich neben Beruf und privaten Anforderungen weiterzubilden.
EQA: Wie stark wächst der Bedarf an berufsbegleitender Weiterbildung im Dienstleistungsbereich, mit Blick auf neue Herausforderungen der doppelten Transformation (digital und nachhaltig)?
Juliane O’Hagan: IT und Nachhaltigkeit waren früher vor allem separate Abteilungen und eigene Stellen, heute sind sie viel mehr integriert in bestehende Rollen. Fast jede/r muss heutzutage digitale Tools und computergestützte Systeme beherrschen und Nachhaltigkeitsaspekte bei der Arbeit mit berücksichtigen. Daher wird es auch wichtiger sich in diesen Bereichen weiterzubilden und stets auf den neuesten Stand zu bringen.
EQA: Welche Voraussetzungen müssen noch geschaffen werden, um Frauen in Führungspositionen in der Branche zu stärken?
Juliane O’Hagan: Schon Mädchen und junge Frauen brauchen Vorbilder in Form von Frauen in Führungspositionen, aber auch unsere Söhne brauchen diese Vorbilder sowie gelebte Aufgabenteilung zuhause und in der Gesellschaft. Daneben sollte Care-Arbeit insgesamt besser verteilt werden und außer-Haus Kinderbetreuung stabil funktionieren. Das tut sie aktuell nicht. Auch sollten Arbeitsmodelle flexibel sein, zum Beispiel mit hybridem Arbeiten oder Gleitzeit. Auch Jobsharing könnte ein Anreiz sein, um eine Führungsposition auf mehrere Personen zu verteilen. Strukturell braucht es Ideen, wie Frauen nach der Geburt von Kindern zuverlässig wieder in den Arbeitsmarkt finden können, wenn sie dies wünschen, denn es sind sehr viele sehr gut ausgebildete Frauen langfristig zuhause oder mit nur wenigen Stunden im Arbeitsmarkt. Das kann sich die Gesellschaft bei dem akut herrschenden Fachkräftemangel eigentlich gar nicht leisten. Und dann würde auch die Gehaltsschere, die vor allem mit der Geburt von Kindern zwischen den Eltern immer weiter auseinander geht, weniger stark ausfallen, wie es aktuell der Fall ist. Es gibt also noch sehr viele offene Stellschrauben!







