Europa lebt, wo Menschen einander zuhören.
Rückblick auf die Ausstellung zur Flutkatastrophe 2021 im Haus Küchenberg in Eupen
Rund um den Europatag wurde im historischen Haus Küchenberg in Eupen die Ausstellung „Eine Katastrophe im Herzen von Europa“ gezeigt. Vom 8. bis 10. Mai kamen Betroffene, Angehörige, Einsatzkräfte, Fachleute, politische Vertreterinnen und Vertreter sowie Initiativen aus mehreren Flutregionen zusammen. Viele von ihnen sind durch die Flutkatastrophe 2021 auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden. Die Ausstellung verband persönliche Erinnerung mit der Frage, wie Europa aus solchen Krisen lernen und widerstandsfähiger werden kann.
Die Fotografien, künstlerischen Arbeiten und Zeitzeugnisse zeigten die Flut in ihrer ganzen Wucht. Sichtbar wurden zerstörte Orte, beschädigte Infrastruktur, persönliche Verluste und Spuren des Wassers, zugleich aber auch Verarbeitung, Wiederaufbau und Zusammenhalt. Bilder aus Eupen erweiterten die Perspektive aus den anderen Flutgebieten. So wurde deutlich, dass die Flut 2021 kein einzelnes lokales Ereignis war, sondern eine Erfahrung, die Regionen über Grenzen hinweg miteinander verbindet.
In der Zusammenarbeit von Klaus Jansen (Team Gedenken), Prof. Dr. Brigitte Petersen (EQAsce, Modellregion WiR), Heinrich Geerling vom Umweltbildungszentrum Pleistalwerk und Annett Baumgärtner, die die künstlerische und technische Umsetzung verantwortete und eigene Arbeiten einbrachte, verbanden sich Erinnerung, Forschung, Praxis und gesellschaftliches Engagement. Mitgetragen wurde die Ausstellung auch von der Stadt Eupen.

Eröffnung der Ausstellung
Die Eröffnung übernahm Pascal Arimont, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vizepräsident der Intergroup on Resilience, Disaster Management and Civil Protection. Er machte deutlich, dass die Erfahrungen der Flut 2021 auch auf europäischer Ebene Konsequenzen haben müssen. Krisenvorsorge, Katastrophenschutz sowie zivile und militärische Zusammenarbeit seien gemeinsame Aufgaben, die nicht an nationalen Grenzen enden.
Auch der Bürgermeister der Stadt Eupen, Thomas Lennertz, richtete ein Grußwort an die Gäste. Er bedankte sich dafür, dass Eupen in Ostbelgien anlässlich des Europatags als Ausstellungsort ausgewählt wurde, und unterstrich die Bedeutung des grenzüberschreitenden Austauschs für die Stadt und die Region.
Die Beiträge von Frauke Kraatz und Maria Mies prägten die Eröffnung besonders. Frauke Kraatz erinnerte an ihre Tochter Katharina Maria Kraatz, die als junge Feuerwehrfrau während der Flut im Einsatz ums Leben kam. Maria Mies schilderte ihre persönlichen Erfahrungen aus der Flutnacht und den Umgang mit dem Erlebten. Die Betroffenheit im Raum war während beider Beiträge deutlich spürbar. Maria Mies hatte zudem eigene Bilder in die Ausstellung eingebracht.

Die Bronzestatue HOPE des Bonner Aktionskünstlers Dennis Josef Meseg war erneut Teil der Ausstellung. Sie stand sinnbildlich für Hoffnung, Verletzlichkeit und den Blick nach vorn nach der Katastrophe.
Erste Gesprächsrunde: Was haben wir durch die Flutkatastrophe 2021 im Herzen von Europa gelernt?

Die erste Gesprächsrunde nahm zunächst die Flutsituation selbst in den Blick. Die Katastrophe entwickelte sich nicht wie eine klassische Hochwasserlage, sondern als extremes Starkregenereignis mit einer kaum beherrschbaren Dynamik. Vor Ort bedeutete das: Kleine Gewässer wurden innerhalb kurzer Zeit zu zerstörerischen Strömen, Verkehrswege brachen weg, Strom und Kommunikation fielen aus, und vielerorts fehlte ein gemeinsames Lagebild. Damit gerieten nicht nur Einsatzmittel, sondern auch Entscheidungswege, Zuständigkeiten und Kommunikationsstrukturen gleichzeitig unter Druck.
Aus dieser Erfahrung heraus richtete Oberst Armin Schaus den Blick auf die Frage, wie Hilfe in extremen Lagen rechtzeitig koordiniert und anschlussfähig organisiert werden kann. Schaus war während der Flut 2021 als Leiter Einsatz in der Operationszentrale des Kommandos Territoriale Aufgaben mit der Bundeswehrhilfe befasst. Seine Perspektive machte deutlich, dass militärische Hilfe im Katastrophenschutz die zivile Einsatzführung ergänzt, aber nicht ersetzt. Entscheidend ist daher, zivile und militärische Zusammenarbeit mit Blaulichtorganisationen, Verwaltungen, Hauptamt, Ehrenamt und Spontanhelfenden schon vor der nächsten Krise einzuüben.
Anna Lena Samborski weitete den Blick auf Elementarschutz und Versicherungsmodelle in Europa. Aus ihrer Perspektive reicht es nicht, Schäden nach einer Katastrophe über Hilfsfonds oder Sofortprogramme aufzufangen. Entscheidend ist, Vorsorge früher anzusetzen und finanzielle Anreize so zu gestalten, dass Prävention, Klimaanpassung und bezahlbarer Schutz zusammengedacht werden. Damit knüpfte sie an die Frage an, wie Gesellschaften mit einer wachsenden Versicherungslücke in der Klimakrise umgehen.
Christine Mauel, wallonische Regionalabgeordnete und Mitglied des wallonischen Untersuchungsausschusses zur Flutkatastrophe, knüpfte daran an. Auch sie betonte, dass aus der Katastrophe nur dann wirklich gelernt wird, wenn Prävention stärker finanziert wird, statt erst nach dem Ereignis über Hilfen und Solidaritätsfonds zu reagieren
Bertrand Mignot schärfte mit seinem Resilienz Canvas den Blick auf die Schnittstellen, an denen Krisenmanagement häufig scheitert. Sein Beitrag machte deutlich, dass es in solchen Lagen nicht nur um fehlende Einsatzmittel geht. Ebenso entscheidend sind gemeinsame Lagebilder, funktionierende Kommunikation, klare Zuständigkeiten und die Fähigkeit, unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben. Damit verband er die praktischen Erfahrungen der Flut 21 mit der Frage, wie Organisationen, Infrastrukturen und Entscheidungsprozesse resilienter werden können.
Zweite Gesprächsrunde: Welche Impulse hat die Flut 2021 für ehrenamtliches Engagement hervorgebracht?

In der zweiten Gesprächsrunde standen ehrenamtliches Engagement, regionale Zusammenarbeit und die Umsetzung europäischer Programme im Mittelpunkt. Christoph Hammerschmidt brachte mit LEADER die Perspektive eines transeuropäischen Projekts ein: Europäische Programme können Akteure in einer Region zusammenbringen, werden in den Mitgliedstaaten aber sehr unterschiedlich administriert. Während in Deutschland oft hohe bürokratische Hürden bestehen, wurde Finnland als Beispiel für mehr Vertrauen in Ideen aus der Bevölkerung und in ehrenamtliches Engagement genannt.
Christian Hiß, Vorstand der eco-val deutschland gAG, ergänzte den Blick auf Landwirtschaft, regionale Wertschöpfungsräume und Gemeinwohlleistungen. Er machte deutlich, dass Regionen krisenfester werden, wenn Landwirtschaft, Kommunen und weitere Partner enger zusammenarbeiten und die gesamte Wertschöpfungskette mitgedacht wird. Mit der Regionalwert Bewertungsmethode werden Gemeinwohlleistungen und Resilienzleistungen landwirtschaftlicher Betriebe sichtbar und damit auch für regionale Entscheidungen bewertbar.
Markus Wipperfürth brachte die Perspektive eines Akteurs ein, der nach der Flut 2021 unmittelbar vor Ort geholfen hat. Als Landwirt und Lohnunternehmer aus Pulheim fuhr er bereits am 15. Juli ins Ahrtal und gehörte zu den Helfern, die mit Maschinen, Ortsbezug, praktischer Erfahrung und großer Reichweite schnell Unterstützung organisierten. In der Gesprächsrunde wurde daran deutlich, wie stark Hilfe in den ersten Tagen von persönlicher Initiative, vorhandenen Kontakten und der Fähigkeit abhing, Menschen, Material und Maschinen kurzfristig zusammenzubringen.
Zum Abschluss fasste Prof. Dr. Brigitte Petersen zusammen, dass ehrenamtliches Engagement fünf Jahre nach der Flut nicht nur gewürdigt, sondern organisatorisch gestärkt werden muss.
Vorträge: Gedenken und Wiederaufbau
Der zweite Veranstaltungstag vertiefte in zwei Vorträgen die Themen Gedenken und Wiederaufbau. Den Auftakt machte Yvonne Küchenberg, die vom Haus Küchenberg berichtete, das ebenfalls von der Flut betroffen war, und die damalige Situation in Eupen schilderte. Fritz Vennemann von der AG Historisches Ahrtal berichtete von fünf Jahren Kulturgutrettung und vom Wiederaufbau historischer Gebäude. Dabei wurde deutlich, dass Wiederaufbau mehr ist als bauliche Instandsetzung: Er vermittelt jungen Menschen handwerkliches Wissen, stärkt ehrenamtliches Engagement, schafft Verantwortung für Kulturgut und steht für lebenslanges Lernen.
Jochen Diedenhofen, Vertreter des Projekts DenkAHR, stellte gemeinsam mit Fritz Vennemann das geplante Erinnerungs- und Mahnmal zur Flutkatastrophe in Bad Neuenahr vor. Die Maße des Denkmals sind symbolisch gewählt: 14 Meter Länge und 0,7 Meter Tiefe verweisen auf das Datum der Katastrophe, die Höhe von 4,50 Metern auf die durchschnittliche Fluthöhe jener Nacht. Die 136 Bronzewürfel stehen laut Diedenhofen für die Verstorbenen. Das Denkmal soll ein Ort des Erinnerns, des Innehaltens und der Mahnung sein – und zugleich die Opfer dauerhaft im öffentlichen Bewusstsein verankern.
Dritte Gesprächsrunde: Vor welchen Herausforderungen standen und stehen Rettungskräfte und Bürgermeisterinnen im Katastrophenschutz?

In der dritten Gesprächsrunde mit ehemaligen Bürgermeisterinnen, kommunalen Entscheidungsträgern, Feuerwehr und Rettungskräften ging es um die Frage, wie Verantwortliche und Bevölkerung besser auf Krisen vorbereitet werden können. Claudia Niessen, Bürgermeisterin der Stadt Eupen a.D., schilderte die Flutnacht aus Sicht einer kommunalen Verantwortungsträgerin. Anders als viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Deutschland konnte sie unmittelbar einen Krisenstab einberufen und die Polizei zur Räumung einsetzen. Ihr Bericht zeigte zugleich, wie schwer es in einer nie dagewesenen Lage war, Menschen von der Notwendigkeit der Evakuierung zu überzeugen. Dass in Eupen rechtzeitig geräumt wurde, trug wesentlich dazu bei, hilfsbedürftige Menschen, Kinder und ältere Bewohnerinnen und Bewohner zu schützen.
Laurenz Kreuser, langjähriger Wehrleiter in Rheinbach, schilderte, wie er in der Flutnacht aus dem Urlaub in Süddeutschland Richtung Rheinbach aufbrach. Während seine Frau Richtung Rheinbach fuhr, versuchte er vom Beifahrersitz aus, ein Lagebild zu gewinnen, Rückmeldungen aus der Feuerwehr aufzunehmen und mit der kommunalen Verantwortungsebene abgestimmt zu bleiben.Die Kommunikation außerhalb der Flutregion funktionierte noch, im Einsatzgebiet selbst brachen Verbindungen weitgehend ab. Den Einsatzort erreichte er schließlich nur noch mit dem Boot, weil die Flut bereits enorme Ausmaße angenommen hatte. Als Lehre beschrieb er, dass Einsatzleitungen heute vor die Lage kommen müssen. Dazu gehören Rückfallebenen wie Satellitentelefone, mit denen die Feuerwehr Rheinbach inzwischen ausgestattet ist.
Markus Mandt von der Feuerwehr Bad Neuenahr-Ahrweiler machte deutlich, wie schnell aus einer zunächst vertrauten Hochwasserlage eine unübersichtliche Rettungslage wurde. Auch hier standen Evakuieren, Räumen und Retten im Mittelpunkt.
Ein Vertreter der Feuerwehr Eupen ergänzte die Perspektive aus Ostbelgien. Gemeinsam machten die Berichte deutlich, dass Feuerwehren, Bundeswehr, THW, Rotes Kreuz und andere Hilfsorganisationen ebenso wie Soforthelfernetzwerke darauf angewiesen sind, Menschen im Hauptamt, im Ehrenamt und als Spontanhelfende über längere Zeit verfügbar zu halten.
Während der Flut dauerten Einsätze teils über Wochen. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen können die Freistellung von Mitarbeitenden und die Lohnfortzahlung nicht dauerhaft allein tragen. Auch hier braucht es tragfähige Lösungen, wenn diese Strukturen in künftigen Krisen durchhaltefähig bleiben sollen. Zugleich wurde deutlich, dass Prävention Geld kostet: für Ausrüstung, Übungen, Kommunikation, freiwillige Feuerwehren, Hilfsorganisationen und kommunale Vorbereitung. Die Frage darf nicht erst gestellt werden, wenn eine Katastrophe bereits eingetreten ist.
In der Gesprächsrunde mit Bürgermeisterinnen, Bürgermeistern und Rettungskräften wurde deutlich, wie entscheidend die ersten 72 Stunden nach Eintritt eines Katastrophenfalls sind. Gerade in dieser Phase leisten vor allem die Kräfte vor Ort, darunter Einsatzkräfte, kommunale Verantwortliche, zivile Helferinnen und Helfer sowie lokale Netzwerke, einen entscheidenden Beitrag, um Menschen zu schützen, Hilfe zu organisieren und Orientierung zu schaffen.
Zugleich wurde hervorgehoben, dass in einer ausgeprägten Katastrophenlage häufig die bereits bekannten, abgesicherten Telefonnummern und direkten Kontakte die ersten und verlässlichsten Anlaufstellen für kommunale Entscheidungsträger sind. Dies zeigt, wie wichtig es ist, solche Strukturen besser zu ordnen, zu bündeln und im Rahmen eines regelmäßigen Krisenmanagements zu erproben. Denn gerade in den ersten Stunden kann eine klare, eingeübte und belastbare Kommunikationsstruktur entscheidend dafür sein, wie schnell Hilfe koordiniert und wirksam vor Ort eingesetzt werden kann.
Einstieg ins Thema: Wie können digitale Zwillinge Krisenübungen und Planungen effektiv unterstützen?
Am Sonntag, vor der letzten Gesprächsrunde, richtete sich der Blick zunächst auf Zukunftsfragen des Katastrophenschutzes. Heinrich Geerling, Mitveranstalter und Vertreter des Umweltbildungszentrums Pleistalwerk, zeigte in einer Demonstration, wie digitale Zwillinge und Lagebilder Übungen, Planung und Entscheidungen unterstützen können. Seine Rolle als Brückenbauer zwischen Forschung und praktischer Umsetzung wurde dabei besonders sichtbar.
Die Demonstration zeigte zugleich, dass digitale Werkzeuge nur dann helfen, wenn sie in klare Verantwortlichkeiten, verlässliche Datenräume und gemeinsame Standards eingebettet sind. Für Katastrophenvorsorge und Prävention braucht es deshalb nicht nur einzelne Anwendungen, sondern gemeinsame Plattformen, Basisdienste und KI-Anwendungen, die europaweit anschlussfähig sind und im Ernstfall praktisch genutzt werden können.
Vierte Gesprächsrunde: Wie gesellschaftliche Initiativen und Ersthelfernetzwerke Impulse für ein resilientes Europa setzen

Die abschließende Runde wurde von Kai Imsande moderiert. Er brachte die Erfahrung des Bürgervereins Swisttal ein, der nach der Flut aus der unmittelbaren Hilfe heraus entstanden ist. In der Akutphase half der Verein, Hilfsangebote, Spenden und Bedarfe zusammenzuführen und Unterstützung dorthin zu lenken, wo sie besonders dringend gebraucht wurde. Die Runde machte daran eine zentrale Frage sichtbar: Wie lassen sich solche zivilgesellschaftlichen Strukturen nach dem Auslaufen befristeter Hilfsprogramme erhalten, finanzieren und im Krisenfall schnell wieder aktivieren?
Kerstin Würth erläuterte die Arbeit des Hilfsnetzwerks Elektroseelsorge, das kurz nach der Flutkatastrophe im Ahrtal ehrenamtlich aufgebaut wurde. Gelernte Elektronikerinnen und Elektroniker organisierten sich, um verschlammte Werkzeuge, Maschinen und elektrische Geräte zu reinigen, zu prüfen und zu reparieren. Durch Materialspenden und freiwillige Helferinnen und Helfer entstand eine praktische Soforthilfe vor Ort. Nachdem ein Prüfkoffer gespendet worden war, konnten zudem Geräte von Hilfsorganisationen wieder einsatzfähig gemacht werden, statt sie an zentrale Reparaturstellen zu geben. Bei den Reparaturen entstanden auch Gespräche, in denen Betroffene vom Erlebten berichten konnten. Daran zeigte sich ein größerer Punkt der Runde: Das Potenzial freiwilliger Helferinnen und Helfer muss besser erfasst und gezielter eingesetzt werden. Viele Menschen bringen berufliche Fachkenntnisse, technische Erfahrung oder organisatorische Fähigkeiten mit. Dieses Spezialwissen sollte im Einsatz koordiniert genutzt werden, statt in allgemeinen Hilfsaufgaben unterzugehen. Um solche Netzwerke einsatzfähig zu halten, braucht es vergleichsweise wenig Geld, aber klare Zuständigkeiten, Vertrauen und eine bessere Einbindung in bestehende Strukturen.
Nick Falkner schilderte die Arbeit der Stiftung Ahrtal aus der Praxis: die Organisation von Lagerräumen, die Verteilung von Spenden, die Einbindung von Firmen und freiwilligen Helferinnen und Helfern sowie die vielen Abstimmungen, die dafür nötig waren. Daran wurde deutlich, dass vor allem die aufgebauten Strukturen überregional übertragbar sind, wenn sie dokumentiert, weiterentwickelt und staatlich unterstützt werden.
Cornelia Chemnitz ergänzte diese Perspektive um den Schritt von der akuten Hilfe zur langfristigen Regionalentwicklung. Aus ihrer Arbeit in der LEADER Region Voreifel wurde deutlich, dass die Erfahrungen der Flut auch in konkrete Vorhaben übersetzt werden müssen: etwa beim Wasserrückhalt, bei der Landschaftsgestaltung oder bei klimaangepasster Nutzung von Flächen. Ihr Beitrag zeigte, dass nach der ersten Hilfe die Aufgabe bleibt, gute Ideen zu bündeln, förderfähig zu machen und in Strukturen zu überführen, die über den unmittelbaren Wiederaufbau hinausreichen.
An den Beispielen wie Elektroseelsorge, Stiftung Ahrtal, der Fachtaskforce zur Wiederherstellung landwirtschaftlicher Bodenwerte und der Modellregion Wiederaufbau und Resilienz wurde sichtbar, wie viel Fachwissen durch die Flut entstanden ist. Viele Expertinnen und Experten können in künftigen Krisen helfen, wenn ihre Netzwerke beweglich, leistungsfähig und finanziell tragfähig bleiben. Die offene Aufgabe lautet deshalb: Wie können Einsatz- und Soforthelfernetzwerke dauerhaft durchhaltefähig werden?
Fazit und Ausblick

Die drei Tage in Eupen zeigten den besonderen Mehrwert der Ausstellung. Sie ist mehr als eine Rückschau auf die Flut 2021. Sie schafft einen Raum, in dem Menschen einander zuhören, Erinnerungen teilen und aus unterschiedlichen Erfahrungen gemeinsame Schlüsse ziehen. Die Flutkatastrophe hat Akteure zusammengebracht, die zuvor oft getrennt voneinander gearbeitet haben: Betroffene, Einsatzkräfte, Kommunen, Landwirtschaft, Wissenschaft, Initiativen, politische Vertreterinnen und Vertreter sowie ehrenamtliche Netzwerke. In Eupen wurde sichtbar, dass Katastrophenvorsorge nicht an Landesgrenzen endet und dass Europa dort konkret wird, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen.
Ein zentrales Ergebnis war der Wunsch, die Erfahrungen aus Eupen weiterzutragen und die Ausstellung als Wanderausstellung fortzuführen. Bonn wird der nächste Begegnungsort: Die Sprecherin der Modellregion Wiederaufbau und Resilienz, Brigitte Petersen, bereitet dort für den 13. Oktober, den UN-Tag der Katastrophenvorsorge, ein nächstes grenzübergreifendes Dialogforum vor. So bleibt der in Eupen begonnene Austausch über Erinnerung, Prävention und europäische Zusammenarbeit lebendig.
Der Ausblick reicht über einzelne Projekte hinaus. Benötigt werden verlässliche Finanzierung, klare Zuständigkeiten, gemeinsame Standards, Datenräume, digitale Basisdienste, KI-Anwendungen und Plattformen, die europaweit anschlussfähig sind. Die in Eupen zusammengekommenen Akteure zeigten, dass aus der Flut neue Fähigkeiten, Netzwerke und Verantwortlichkeiten entstanden sind. Jetzt geht es darum, sie beweglich, leistungsfähig und auch über regionale Grenzen hinweg abrufbar zu halten.






