1826 Tage nach der Flutkatastrophe ist die Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen. Aus spontaner Hilfe ist ein dauerhaftes grenzübergreifendes Handlungsfeld für Europas Sicherheit entstanden. EQAsce und die Initiative Modellregion Wiederaufbau und Resilienz (WiR) haben dazu Menschen, Wissen und Ressourcen zusammengebracht. Die Aufgabe bleibt, diese Verbindungen zu festigen und für künftige Krisen handlungsfähig zu machen.
Netzwerke für Krisenzeiten verstetigen
In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 traf die Flut Regionen im nördlichen Rheinland-Pfalz, im südlichen Nordrhein-Westfalen und in Ostbelgien mit großer Wucht. Neben den an Hilfsorganisationen gebundenen freiwilligen Einsatzkräften organisierten Soforthelfende aus Landwirtschaft, Handwerk, Gastronomie und Vereinen Maschinen und Transporte sowie die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser, Strom und allem, was im Chaos dringend gebraucht wurde.
EQAsce und die Initiative Modellregion Wiederaufbau und Resilienz (WiR) vermittelten über eine ad hoc eingerichtete Anlaufstelle insbesondere für betroffene land- und forstwirtschaftliche Betriebe und das Lebensmittelhandwerk, Krisenhelfende und Sachverständige. Aus ersten Kontakten entwickelten sich Fach- und Sofort-Helfernetzwerke, Runde Tische, Qualifizierungsangebote, Public-Private-Partnership-Krisenübungen und ein neues europäisches Format zum Erfahrungsaustausch. Entscheidend war dabei nicht nur, Menschen und Organisationen zusammenzubringen, sondern die entstandenen Verbindungen über Jahre zu stärken und handlungsfähig zu halten.
Diese Arbeit ist aktueller denn je: Extremwetter, Ausfälle kritischer Infrastrukturen und geopolitische Spannungen können komplexe Lagen gleichzeitig verschärfen. Hauptamtliche Einsatzkräfte bleiben das Rückgrat der Gefahrenabwehr. Ehrenamtliche Organisationen und Sofort-Helfernetzwerke ergänzen sie dort, wo zusätzliche Kompetenzen, Ortskenntnis, technische Ressourcen und schnelles Handeln gebraucht werden. Für eine wirksame Zusammenarbeit in der Katastrophenvorsorge entwickelt EQAsce derzeit Koordinationsmodelle und erprobt sie in der Praxis. Es bleibt ein langer gemeinsamer Weg, um Verantwortlichkeiten abzustimmen und für multiple Krisen gewappnet zu sein. Besonders wichtig ist der persönliche Austausch zwischen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, direkt Betroffenen, Helfenden und Verantwortlichen im Krisenmanagement. Im Internationalen Jahr der Freiwilligen für nachhaltige Entwicklung 2026 fanden bereits zwei solcher Treffen statt. Das dritte wird rund um den UN-Tag der Katastrophenvorsorge am 13. Oktober in Bonn vorbereitet.










Der Weg in Etappen
Etappe Eupen: Sicherheit beginnt mit grenzübergreifender Zusammenarbeit

Vom 8. bis 10. Mai 2026 rund um den Europatag war die Wanderausstellung „Eine Katastrophe im Herzen von Europa“ im Haus Küchenberg in der Eupener Unterstadt zu sehen – einem Stadtteil, den die Flut 2021 schwer getroffen hatte. Nach ihrer vorherigen Station im Europäischen Parlament in Brüssel verband die Ausstellung in Eupen Erinnerung und Zeitzeugnisse mit der Frage, wie Europa aus der Katastrophe lernen und sich auf künftige Krisen besser vorbereiten kann.
Pascal Arimont, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vizepräsident der Intergroup on Resilience, Disaster Management and Civil Protection, stellte die europäische Dimension heraus. Oberst Armin Schaus rückte die Zusammenarbeit zwischen ziviler Einsatzführung und militärischer Unterstützung in den Mittelpunkt. Die Botschaft: Katastrophenvorsorge endet nicht an Grenzen. Zuständigkeiten, Ansprechwege, Kommunikation und Übergaben zwischen den beteiligten Akteuren müssen vor einer Krise geklärt und gemeinsam eingeübt werden.
Etappe Remagen: Wissenstransfer aus der Forschung beschleunigen

Am 2. und 3. Juli 2026 diskutierten rund 230 Teilnehmende bei der Wissenschaftskonferenz „Fünf Jahre nach der Flut 2021 – Forschungsperspektiven im Wandel“ am Campus Remagen Erkenntnisse zu Wiederaufbau, Transformation und Krisenbewältigung. Organisiert wurde die Konferenz vom Kompetenznetzwerk Wissenschaft für den Wiederaufbau der Hochschule Koblenz gemeinsam mit der TH Köln und weiteren Partnerinstitutionen.
Im Mittelpunkt stand ein Wiederaufbau, der nicht nur den früheren Zustand wiederherstellt. Die Leitidee „Building Back Better“ wurde kritisch danach befragt, wie Klimaanpassung, Flächennutzung, Warnsysteme, soziale Teilhabe und regionale Entwicklung langfristig resilienter gestaltet werden können. Ausgehend von den Erfahrungen der Flut 2021 diskutierten Wissenschaft und Praxis, wie Wiederaufbau, Transformation und Krisenvorsorge langfristig gestaltet werden können. Der Austausch zeigte, dass Erkenntnisse über regionale und nationale Grenzen hinweg geteilt und für unterschiedliche Krisenlagen weiterentwickelt werden müssen.
Etappe Bonn: Modellregion WiR festigen und weiterentwickeln
Fünf Jahre nach der Katastrophe zeigt sich, dass die Aufgabe weit über die unmittelbare Aufarbeitung hinausreicht. Zwischen EQAsce, der Initiative Modellregion WiR und den Sofort-Helfernetzwerken sind Kontakte, Erfahrungen und gemeinsame Arbeitsansätze entstanden. Viele Fragen bleiben jedoch offen: Wie lassen sich Zuständigkeiten klären, Wissen sichern, Helfende qualifizieren und grenzübergreifende Zusammenarbeit dauerhaft organisieren? Entscheidend ist deshalb, die begonnenen Strukturen weiterzuentwickeln und auch zwischen akuten Krisen arbeitsfähig zu halten.
Deshalb richtiet sich im Oktober der Blick auf zukünftige grenzübergreifende Zusammenarbeit in Europa. Vom 11. bis 13. Oktober 2026 sollen die entstandenen Kontakte und Arbeitsansätze gefestigt, offene Fragen bearbeitet und nächste Schritte für belastbare grenzübergreifende Strukturen entwickelt werden. Im Mittelpunkt stehen Sofort-Helfernetzwerke, ehrenamtliche Hilfsorganisationen und regionale Initiativen.
Für den Austausch bereiten wir zwei Formate vor:
11.-12. Oktober: 24-Stunden-Makeathon
Beim 24-Stunden-Makeathon bringen Sofort-Helfernetzwerke konkrete Fragestellungen aus ihrer Praxis ein. Gemeinsam mit interdisziplinären Teams werden daraus erste digitale Lösungsansätze entwickelt. Dabei geht es unter anderem darum, wie verfügbare Maschinen, Räume, Fachkenntnisse und freiwillige Kräfte im Krisenfall schneller gefunden und koordiniert werden können, wie gemeinsame Lagebilder entstehen und wie Ansprech- und Übergabewege zwischen Kommunen, Einsatzorganisationen, Wirtschaft, Landwirtschaft und Zivilgesellschaft verlässlich gestaltet werden können.
Alle Teilnehmenden werden für ihre Teamarbeit gewürdigt; eine transdisziplinäre Jury prämiert ausgewählte Beiträge am 13. Oktober.
13. Oktober: Dialogforum am UN-Tag der Katastrophenvorsorge
Das Dialogforum „Grenzübergreifende Katastrophenvorsorge und Resilienz in Europa“ greift die Ergebnisse des Makeathons und den in Eupen deutlich gewordenen Bedarf nach dauerhafter grenzübergreifender Zusammenarbeit auf. Fünf Gesprächsrunden verbinden Erfahrungen aus Naturkatastrophen, Wiederaufbau und Soforthilfe mit aktuellen Fragen der Krisenkommunikation, Public Private Partnership, regionaler Resilienz sowie der zivil-militärischen Zusammenarbeit. Ziel sind konkrete nächste Schritte: verlässliche Ansprechpartner, gemeinsame Standards, eingeübte Kommunikations- und Übergabewege sowie europäisch anschlussfähige digitale Strukturen.
Vertreterinnen und Vertreter aus Praxis, Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind eingeladen, ihre Erfahrungen einzubringen und gemeinsam konkrete nächste Schritte für eine grenzübergreifende Katastrophenvorsorge zu entwickeln.
Gemeinsame Aufgaben für europäische Sicherheit gehen grenzübergreifend weiter
Makeathon und Dialogforum setzen im Oktober Impulse, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gemeinsam mit den in den vergangenen Jahren entstandenen Sofort-Helfernetzwerken weiterzuentwickeln. Erstmals werden Sofort-Helfernetzwerke in diesem Format nicht nur als Unterstützende betrachtet, sondern aktiv an der Entwicklung einer gemeinsamen Krisenmanagementstrategie beteiligt. Makeathon und Dialogforum schaffen damit einen neuen Ansatz für eine dauerhaft tragfähige grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
TERMINE UND KONTAKT
11.-12. Oktober 2026: 24-Stunden-Makeathon | digitalHub Bonn | makeathon@eqasce.de
13. Oktober 2026, 09:00-17:00 Uhr: Dialogforum | Haus der Evangelischen Kirche Bonn | dialogforum@eqasce.de







