„Wir machen nicht nur Elektro, wir hören zu!“
Im Gespräch mit Norbert van der Koelen und Kerstin Würth von der Elektroseelsorge(r)

Norbert van der Koelen und Kerstin Würth,
Elektroseelsorge(r)
Während der Flutkatastrophe im Juli 2021 zeigte sich vielerorts, wie schnell Menschen bereit waren, Verantwortung zu übernehmen und ihr eigenes Fachwissen einzubringen. Wie aus dieser spontanen Hilfe dauerhafte Strukturen entstehen können, zeigt die Elektroseelsorge(r).
Innerhalb kürzester Zeit schlossen sich Elektrikerinnen und Elektriker sowie weitere Helfende zusammen. Unternehmen und Freiwillige unterstützten mit Material und Sachspenden, etwa mit Kabeln und dringend benötigter Ausrüstung. Helferinnen und Helfer kamen dabei auch aus anderen Ländern in die betroffenen Regionen.
Vor Ort wurde dort angepackt, wo technische Unterstützung unmittelbar gebraucht wurde. Notstromversorgungen wurden hergestellt, elektrische Geräte bei Bewohnerinnen und Bewohnern repariert und auch Hilfsorganisationen unterstützt.
Mit der wachsenden Zahl an Helfenden entstanden schnell erste feste Abläufe. Aufgaben wurden nach Fähigkeiten und Qualifikationen verteilt, zugleich blieben die kurzen Wege und die Freiwilligkeit eine besondere Stärke. Vieles konnte direkt abgestimmt und schnell umgesetzt werden.
Eine ebenso wichtige Rolle spielte der direkte Austausch. In Gesprächen mit Betroffenen, anderen Helfenden und Hilfsorganisationen zeigte sich, was vor Ort tatsächlich gebraucht wurde. Der Name Elektroseelsorge(r) bringt dabei einen weiteren Teil der Arbeit auf den Punkt. Wer kam, um ein technisches Problem zu lösen, kam mit den Menschen auch ins Gespräch. Zuhören und ansprechbar zu sein gehörten ebenso dazu.
Für unseren Beitrag haben wir die Elektroseelsorge(r) an ihrem heutigen Standort auf einem Hof der Malteser in NRW besucht. Hier verfügt die Initiative inzwischen über einen eigenen Hangar, in dem Einsatzgeräte, Fahrzeuge, Anhänger und Material gelagert werden. Was 2021 spontan begann, hat sich sichtbar verfestigt. Norbert van der Koelen beschreibt, wie sich die Strukturen seitdem weiterentwickelt und ein Stück weit professionalisiert haben, ohne ihren freiwilligen Charakter zu verlieren.
Auch die Kontakte aus dieser Zeit sind weitgehend erhalten geblieben. Zu fast allen damaligen Mithelfenden besteht weiterhin Verbindung, viele engagieren sich bis heute. Beim Besuch wird deshalb deutlich, dass hier aus spontaner Hilfsbereitschaft ein Netzwerk entstanden ist, das Erfahrungen, Fachwissen, Kontakte und Ausstattung über die eigentliche Katastrophe hinaus bewahrt.
Im Gespräch berichten Kerstin Würth und Norbert van der Koelen darüber, wie die Elektroseelsorge(r) arbeiten, welche Erfahrungen sie gesammelt haben, wo aus ihrer Sicht Verbesserungen möglich sind und welche Rolle die vielen Helfenden aus unterschiedlichen Regionen und Ländern gespielt haben.
Gerade mit Blick auf zukünftige Krisen stellt sich damit die Frage, wie solche gewachsenen Strukturen erhalten, weiterentwickelt und im Ernstfall schnell wieder aktiviert werden können. Die Elektroseelsorge zeigt, was entstehen kann, wenn freiwilliges Engagement, Fachwissen und schnelle, direkte Zusammenarbeit zusammenkommen.
Drei Fragen an die Elektroseelsorge(r)
In unserem Kurzvideo beantworten Kerstin Würth und Norbert van der Koelen drei ausgewählte Fragen zu ihren Erfahrungen, zur Arbeit der Elektroseelsorge und dazu, was sich für zukünftige Einsätze verbessern lässt.







