
Die Waldbrände im Hürtgenwald und im Hohen Venn haben im August erneut gezeigt, wie schnell im Ernstfall unterschiedliche Kräfte zusammenfinden müssen. Im Hürtgenwald unterstützten zahlreiche Landwirte die Brandbekämpfung mit Fahrzeugen und Wasser. Im Hohen Venn halfen deutsche Feuerwehrkräfte ihren belgischen Kollegen. Blaulichtorganisationen, grenzüberschreitende Hilfe und Soforthelfer-Netzwerke griffen dabei ineinander.
Markus Wipperfürth, Landwirt und Lohnunternehmer sowie Mitglied der Fach Task Force WLBW und der Initiative WiR, berichtet aus dem Einsatz vor Ort, was in der Zusammenarbeit bereits gut funktioniert – und wo noch Verbesserungsbedarf besteht:

„Die Kommunikation zwischen den Sofort-Helfer-Netzwerken aus der Land- und Forstwirtschaft im derzeitigen grenzübergreifenden Einsatz in Ostbelgien läuft bereits routiniert und problemlos. Allerdings ließe sich bei den Bränden in der Eifel die Kommunikation mit den BOS-Einsatzkräften noch wesentlich verbessern.“
Markus Wipperfürth
Landwirt & Lohnunternehmer | Fach Task Force WLBW | Initiative WiR
Wipperfürths Einschätzung zeigt: Im Krisenfall greifen vorhandene Netzwerke oft schnell, zugleich entstehen unter dem Druck der Lage neue Kontakte und Formen der Zusammenarbeit. Je besser solche Verbindungen und die Schnittstellen zu den Blaulichtorganisationen bereits vor einer Katastrophe aufgebaut und abgestimmt sind, desto leichter lässt sich im Ernstfall gemeinsam handeln.
Drei WIR – ein gemeinsamer Gedanke
Das WIR als Leitbild der Exzellenzuniversität Bonn
Was kann das WIR in Wissenschaft und Bildung bedeuten? Die Universität Bonn gibt darauf mit ihrer >> Exzellenzstrategie eine klare Antwort: „We invest in people. We foster networks. We create impact.“ Menschen fördern, Wissen über Fachgrenzen hinweg verbinden und daraus Wirkung entstehen lassen – dafür stehen auch die sechs Transdisciplinary Research Areas (TRAs), in denen Forschende verschiedener Disziplinen gemeinsam an Zukunftsthemen arbeiten.
Gerade in der Katastrophenvorsorge wird deutlich, wie wichtig dieser Blick über die eigene Fachgrenze hinaus ist. In Bonn gibt es dafür bereits gewachsene Strukturen.
Das >> Bonner Netzwerk Internationaler Katastrophenschutz und Risikomanagement bringt Akteure aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zusammen. So entstehen Austausch, Wissenstransfer und Zusammenarbeit über Organisations- und Fachgrenzen hinweg.
Auch der Masterstudiengang Katastrophenvorsorge und -management (KaVoMa) knüpft daran an: Wissen weiterentwickeln, Erfahrungen austauschen und unterschiedliche Kompetenzen miteinander verbinden. Lebenslanges Lernen wird damit zu einem wichtigen Bestandteil moderner Katastrophenvorsorge.
Diese Idee greift auch der 24-Stunden-Makeathon – die Ideenschmiede Resilienz am 11. und 12. Oktober in Bonn auf. Hier treffen praktische Erfahrungen aus Soforthelfer-Initiativen auf ICT-Kompetenz, Krisenmanagement und das Fachwissen krisenrelevanter Berufsgruppen – etwa aus Landwirtschaft, Handwerk und technischer Infrastruktur. Gemeinsam arbeiten die Teilnehmenden an konkreten Herausforderungen und möglichen Lösungsansätzen.

„Beim 24-Stunden-Makeathon – der Ideenschmiede Resilienz – wird dieser Gedanke des gemeinsamen Lernens und fachübergreifenden Arbeitens praktisch.“
Brigitte Petersen
Prof. em. für Präventives Gesundheitsmanagement und One Health an der Universität Bonn | Organisatorin des Dialogforums
Wie viele unterschiedliche Kompetenzen dabei zusammenkommen, zeigt auch ein Blick auf die Mitwirkenden aus der Universität Bonn und ihrem Umfeld: Jakob Bartolomey bringt durch seine Verbindung zur Universität Bonn, zur Bonner Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik und zum THW ein. Prof. Dr. Jürgen Gall und Prof. Dr. Marc Rußwurm steuern Expertise aus KI und datenbasierten Verfahren bei. Gall ist zudem Principal Investigator am Lamarr-Institut, das Teil des bundesweiten Netzwerks der deutschen KI-Kompetenzzentren ist.
Das WIR als Genossenschaftsmodell
Die zweite Perspektive knüpft an Friedrich Wilhelm Raiffeisen und die Genossenschaftsidee an. Ein Leitgedanke bringt das Prinzip bis heute auf den Punkt:

„Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.“
Genossenschaften verbinden Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung mit Solidarität und demokratischer Teilhabe. Ein prägendes Prinzip ist: ein Mitglied – eine Stimme. Verantwortung und Mitbestimmung werden damit auf viele Schultern verteilt. Das genossenschaftliche WIR steht für die Überzeugung, dass Menschen ihre unterschiedlichen Möglichkeiten einbringen, gemeinsam Verantwortung übernehmen und dadurch mehr erreichen können als allein.
Das WIR als Handlungsziel
Die >> Initiative Modellregion Wiederaufbau und Resilienz (WiR) knüpft an die Erfahrungen der Flutkatastrophe 2021 an. Ihr Ansatz ist, Kräfte zu bündeln, Betroffene und Hilfsnetzwerke miteinander zu verbinden und Erfahrungen für künftige Krisen nutzbar zu machen.
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Ostbelgien waren 2021 schwer von der Flut betroffen. Die jüngsten Brände im Hürtgenwald und im Hohen Venn zeigen erneut, wie wichtig Verbindungen über Verwaltungs- und Staatsgrenzen hinweg sein können. Nach der Flut würdigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausdrücklich sowohl die Einsatz- und Hilfskräfte als auch die Menschen, die sich spontan auf den Weg gemacht hatten, um zu helfen.
Was das für die Vorsorge praktisch bedeutet, bringt Dr. Heiner Hoogen auf den Punkt:

„Im Ernstfall müssen Hilfsbereitschaft, Wissen und Netzwerke schnell zusammenfinden. Dafür sollten Ansprechpartner bekannt sein und Schnittstellen möglichst schon vorher gemeinsam weiterentwickelt werden.“
Dr. Heiner Hoogen
Fach-Task-Force Wiederherstellung landwirtschaftlicher Bodenwerte
Drei Perspektiven, die sich ergänzen: Das WIR als Leitbild verbindet Menschen und Wissen. Das WIR als Genossenschaftsmodell verbindet Eigenverantwortung, Solidarität und Mitbestimmung. Das WIR als Handlungsziel schafft daraus belastbare Verbindungen über Organisations- und Ländergrenzen hinweg.

Vom WIR zum Veranstaltungsformat
Die drei WIR – als Leitbild, Genossenschaftsmodell und Handlungsziel – finden sich auch im Veranstaltungsformat rund um das Dialogforum zur Katastrophenvorsorge und Resilienz vom 11. bis 13. Oktober 2026 in Bonn wieder. Der 24-Stunden-Makeathon, der Abendempfang im Universitätsclub Bonn und das Dialogforum am 13. Oktober setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte – von der gemeinsamen Entwicklung von Lösungen über die Würdigung von Engagement bis zum fachlichen Austausch.
Würdigung mit dem Resilienz AWARD
Ein besonderer Moment des Abendempfangs ist die Würdigung der Makeathon-Teams und die Überreichung des Resilienz AWARD. Die Kleine HOPE des Bonner Künstlers Dennis Josef Meseg steht symbolisch für Hoffnung durch Solidarität und gemeinsames Handeln.
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