
Krisenvorsorge gewinnt angesichts zunehmender und komplexer Krisen weiter an Bedeutung. Waldbrände und Extremwetter, Ausfälle kritischer Infrastruktur, Cyberangriffe und sicherheitspolitische Spannungen zeigen, wie eng unterschiedliche Risiken miteinander verbunden sind und über Grenzen hinweg wirken können. Das DKrisenvorsorge gewinnt angesichts zunehmender und komplexer Krisen weiter an Bedeutung. Waldbrände und Extremwetter, Ausfälle kritischer Infrastruktur, Cyberangriffe und sicherheitspolitische Spannungen zeigen, wie eng unterschiedliche Risiken miteinander verbunden sind und über Grenzen hinweg wirken können. Das Dialogforum am 13. Oktober 2026 in Bonn bringt deshalb Menschen zusammen, deren Wissen, Erfahrungen und Fähigkeiten im Krisenfall ineinandergreifen müssen.
Wenn Krisen keine Grenzen kennen
Wie schnell aus einer regionalen Lage eine grenzüberschreitende Herausforderung wird, hat der Waldbrand im Hohen Venn im August erneut gezeigt. Das Feuer auf belgischer Seite rückte zeitweise bis auf wenige Kilometer an die deutsche Grenze heran. Deutsche Feuerwehrkräfte unterstützten ihre belgischen Kollegen, internationale Hilfe wurde mobilisiert und in Monschau mussten Bewohnerinnen und Bewohner zeitweise ihre Häuser verlassen. Auch die Bundeswehr unterstützte die Brandbekämpfung aus der Luft.
Solche Lagen machen deutlich: Krisenvorsorge und Krisenbewältigung funktionieren nicht innerhalb einzelner Zuständigkeiten. Entscheidend ist, ob Informationen, Fähigkeiten und Ansprechpartner über Organisations-, Sektor- und Landesgrenzen hinweg rechtzeitig zusammenfinden. Genau diesem Zusammenwirken geht das Dialogforum „Grenzübergreifende Katastrophenvorsorge und Resilienz“ am 13. Oktober nach.
Resilienz braucht das WiR
Das Dialogforum setzt bewusst dort an, wo in der Praxis noch Lücken bestehen: an den Schnittstellen zwischen Verwaltung, Hilfsorganisationen, Wirtschaft, Wissenschaft, Bundeswehr, kommunaler Ebene und Zivilgesellschaft. Eine besondere Rolle spielen dabei ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie Soforthelfer-Netzwerke.
Gerade in den ersten Stunden einer Krise sind häufig Menschen vor Ort, die Ortskenntnis, Maschinen, Fachwissen, Kontakte oder besondere berufliche Fähigkeiten mitbringen. Damit dieses Potenzial nicht erst in der akuten Lage entdeckt wird, braucht es Verbindungen zu den etablierten Strukturen bereits in der Vorsorge. Das Dialogforum will diese Akteure deshalb nicht nebeneinander, sondern miteinander ins Gespräch bringen – auf Augenhöhe und mit Blick auf konkrete Schnittstellen.

Die zentrale Idee: Resilienz entsteht an den Nahtstellen – dort, wo unterschiedliche Fähigkeiten und Erfahrungen zusammenkommen, Verbindungen bereits vor der Krise bestehen und Zusammenarbeit im Ernstfall nicht bei null beginnt.

Bonn: Resilienz grenzübergreifend denken
Bonn bietet für das Dialogforum einen passenden Rahmen: Als UN-Stadt und wachsender Resilienzstandort verbindet die Stadt regionale Erfahrungen mit nationalen und europäischen Perspektiven. Dieser Blick über Grenzen hinweg entspricht dem Anspruch des Dialogforums.
Schirmherr des Dialogforums ist Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei. Seine Schirmherrschaft unterstreicht die Bedeutung vernetzter Krisenvorsorge.
Zum Dialogforum anlässlich des UN-Tags der Katastrophenvorsorge laden Prof. Dr. Brigitte Petersen, Sprecherin der Modellregion Wiederaufbau und Resilienz (WiR), und EQAsce-Vorstand Dr. Christoph Scheuren ein. Sie führen durch das Programm. Die europäische Perspektive bringen gleich zu Anfang Lena Düpont (MdEP, Vice-Chair – Intergroup on Resilience, Disaster Management and Civil Protection) und Maciej Popowski (Generaldirektor der Europäischen Kommission, DG ECHO) mit ein.

Vom strategischen Rahmen zur konkreten Praxis
Der Vormittag führt vom strategischen Rahmen in die konkrete Krisenpraxis: Drei Impulse ordnen zentrale Herausforderungen ein, drei Panels bringen anschließend unterschiedliche Erfahrungen und Lösungsansätze zusammen.
Drei Impulse setzen den Rahmen
Impuls 1: Sichere und resiliente Lebensmittelketten
Bund-Länder-Zusammenarbeit zur Sicherheit und Resilienz in der Lebensmittelkette
Sebastian Graf von Keyserlingk (Leiter der Unterabteilung „Sicherheit der Lebensmittelkette, BMLEH) zeigt, wie Bund-Länder-Zusammenarbeit Versorgungssicherheit und Vorsorge in Krisen miteinander verbindet.
Impuls 2: Digitale Unterstützung für zivil-militärische Zusammenarbeit
Zivil-Militärische Zusammenarbeit – digitale Unterstützung von Kommunikation und gemeinsamen Lagebildern
Ansgar Kaltwasser (Vice President Consulting Services, CGI) zeigt, wie digitale Lösungen Kommunikation und gemeinsame Lagebilder an zivil-militärischen Schnittstellen unterstützen können.
Impuls 3: Grenzübergreifende Lieferketten und Resilienz
Wie lassen sich Versorgungsketten über Ländergrenzen hinweg krisenfester gestalten?
Prof. Sebastian Jarzębowski (Kozminski University Warschau, CSCMP Poland) ordnet Resilienz aus Sicht grenzübergreifender Lieferketten ein und erweitert den Blick um die europäische Perspektive.
Drei Panels – drei zentrale Fragen
Die drei Panels bündeln die Diskussion in drei Leitfragen, die fast jede größere Krisenlage berühren: Energieversorgung, ein gemeinsames Lageverständnis und die Fähigkeit, vorhandene Kompetenzen dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden.
Panel 1: Alle brauchen Strom
Wie bleiben Versorgung, Kommunikation und zentrale Abläufe handlungsfähig, wenn Strom und Infrastruktur ausfallen?
Mit Dr. Christoph Bader (HSWT/TUM, LuKaS), Nouha Illahi (Universität Bonn) und Norbert van der Koelen (Elektroseelsorge(r) gUG). Forschung, Versorgung und praktische Soforthilfe treffen aufeinander.
Panel 2: Alle brauchen ein schnelles Lagebild
Wie werden aus vielen Informationen schnell ein gemeinsames Lageverständnis und belastbare Entscheidungen?
Mit Dr. Christian Hüttich (Hüttich Consulting), Ole Wienke und Ansgar Kaltwasser (CGI), Dr. Christoph Scheuren (EQAsce) und Bertrand Mignot (qaantara). Im Mittelpunkt stehen Informationsfluss und gemeinsame Lagebilder; Oberst i.G. Sönke Marahrens (Zentrum Digitalisierung Bundeswehr)
Panel 3: Alle brauchen Handlungskompetenz
Wie werden Erfahrungen, Fachwissen und praktische Fähigkeiten so verbunden, dass in einer dynamischen Lage schnell gehandelt werden kann?
Mit Landrat Dr. Ralf Nolten (Kreis Düren), Markus Wipperfürth, Jakob Bartolomey (THW/Universität Bonn) und Prof. Dr. Brigitte Petersen (Modellregion WiR) und Thomas Knecht (Red Farmers e.V). Im Fokus stehen Waldbranderfahrungen, Zusammenarbeit und Einsatzfähigkeit.
Vom Podium an den Tisch
Nach den Panels verschiebt sich der Schwerpunkt vom Podium an den Tisch. Alle Teilnehmenden durchlaufen drei moderierte Thementische, bringen eigene Erfahrungen und Fragen ein und lernen andere Perspektiven kennen. Die Ergebnisse werden anschließend im Plenum zusammengeführt.
Drei Thementische für den direkten Austausch
Thementisch 1: Soforthelfer-Netzwerke & Fachwissen
Wie werden vorhandene Fähigkeiten früh sichtbar und anschlussfähig?
Im Fokus stehen lokale Netzwerke, praktisches Fachwissen und die Frage, wie Soforthelfer schon in der Vorsorge an etablierte Strukturen anschließen können.
Moderation: Dr. Madeleine Gräf und Nick Falkner
Thementisch 2: Zivil-militärische Zusammenarbeit & gemeinsames Lagebild
Wie müssen Zuständigkeiten und Informationswege vorbereitet sein, damit im Ereignisfall schnell zusammengearbeitet werden kann?
Mit Blick auf den Operationsplan Deutschland geht es um das Zusammenspiel von Bundeswehr, Verwaltung und Hilfsorganisationen sowie um abgestimmte Informationswege.
Moderation: Dr. Christoph Scheuren
Thementisch 3: Grenzübergreifende Zusammenarbeit & Europäische Anschlussfähigkeit
Was braucht es, damit Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg schnell anschlussfähig wird?
Im Fokus stehen Ansprechpartner, kompatible Strukturen und übertragbare Erfahrungen – damit grenzüberschreitende Zusammenarbeit vor der Krise beginnt.
Moderation: Jakob Bartolomey
Vernetzen, bevor die Krise da ist
Ziel ist ein Netzwerk, in dem Fähigkeiten und Ansprechpartner bekannt sind, bevor sie im Ernstfall gebraucht werden. Das Dialogforum verbindet Verwaltung, Hilfsorganisationen, Wirtschaft, Wissenschaft, Ehrenamt und Soforthelfer-Netzwerke – für neue Perspektiven auf gemeinsame Krisenvorsorge. Resilienz braucht das WiR.






